DAS GUTE LEBEN
29. Mai bis 1. Juni 2014 (Auffahrt)
Langenbruck, BL

Flying Science geht über die Auffahrtstage nach Langenbruck in Baselland und präsentiert ein buntes Programm zum Thema ‹Das gute Leben›: Kurzvorträge, Konzerte, Wanderungen. Anschaulich, konkret, verständlich – für alle. Die Veranstaltungen sind einzeln und ohne Anmeldung besuchbar. Die Kurzvorträge, Führungen und Konzerte sind gratis.

Die Veranstaltungen sollen ungezwungene Begegnungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ermöglichen. Die Frage nach dem guten Leben wird aus verschiedenen disziplinären und gesellschaftlichen Perspektiven betrachtet.

Wer über Auffahrt ein paar Tage im schönen Langenbruck verbringen möchte: Herzlich willkommen! Langenbruck ist auch ein schönes Tagesausflugsziel. Wer  länger bleiben möchte, reserviert via servus@flyingscience.ch ein Zimmer.



 

DAS PROGRAMM


DONNERSTAG, 29. MAI, 14 Uhr
Revue Thommen, Langenbruck

PD Dr. Friedemann Schmoll, Lehrstuhl für Volkskunde, Jena

Nichtstun! Variationen und Facetten eines produktiven Daseinszustands

«Nichts tun ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt», befand kurzerhand Oscar Wilde. Im Zeitalter der Selbstoptimierung und unentwegter beruflicher Erreichbarkeit geraten die Freuden des Nichtstuns zusehends in Verruf. Natürlich tun sie dies nicht erst seit heute. Der Vortrag möchte rekonstruieren, auf welchen Wegen die Zwänge des Arbeitseifers und unentwegten Aktivismus historisch in die Menschen europäischer Gesellschaften eingeschleust und umgekehrt, wie die Annehmlichkeiten der Faulenzerei und des Müßiggangs ausgetrieben wurden. Wer Langeweile hat, könnte ja auf dumme Gedanken kommen …
Was tun wir beim Nichtstun? Nicht zuletzt geht es um all die Facetten und Spielarten des Nichtstuns mit all ihren schöpferischen Dimensionen – wenn es sich denn um ein freiwilliges Nichtstun handelt: Flanieren, Chillen, Meditieren, die Wonnen des Faulenzens, Tagträumen, Gammeln, die Auszeit der Pause, der Genuss der Sonntagsruhe, das demonstrative Nichtstun derjenigen, die freigestellt sind von Arbeitspflichten, Sommerfrische … Von der Last des unfreiwilligen Nichtstuns soll natürlich auch die Rede sein – vom Verdruss des Wartens und bohrender Langeweile im Spital, Gefängnis, in der Arbeitslosigkeit …
Eintritt frei, Kollekte

 

DONNERSTAG, 29. MAI, 17.30 Uhr
Revue Thommen, Langenbruck

Prof. Dr. Jean-Pierre Wils, Theologe und Ethiker, Radboud-Universität Nijmege, Wissenschaftlicher Beirat bei der Stiftung Dialog Ethik

Woher wissen, dass das gute Leben gut ist

Das gute Leben ist mittlerweile ein geflügeltes Wort – aber wohin fliegt es denn? Einst – bei Theodor W. Adorno – war davon die Rede, es gäbe kein richtiges Leben im falschen. Aber letztere Unterscheidung scheint uns nicht mehr anzugehen. Verbirgt sich im guten Leben ein ohnmächtiger Protest gegen die Verhältnisse oder gar das Einverständnis mit den Dingen, wie sie nun einmal sind? Es gilt, das Produktive der Formel von ihrer Ideologieanfälligkeit zu unterscheiden. Das ist keine einfache Aufgabe.
Eintritt frei, Kollekte

 

DONNERSTAG, 29. MAI, 20.30 Uhr
Hotel Erica, Langenbruck

PD Dr. Daniel Häussinger, Departement Chemie, Universität Basel

Das gute Leben im Kleinen – am Beispiel des Projektes VinEsch

Knapp 70 ehrenamtliche Vereinsmitglieder erwerben im Wallis gemeinsam einen historischen Steillagen-Rebberg aus dem 13. Jahrhundert, bewirtschaften zusammen nach traditionellen Methoden 2’000 Stöcke seltener Rebsorten, setzen 800 m2 Trockenmauer in alter Bauweise instand und planen die Schaffung eines «ecomuseums». Rückzug ins Private oder Projekt mit Vorbildcharakter?
Eintritt frei, Kollekte



 

FREITAG, 30. MAI, 11.30 Uhr
Revue Thommen, Langenbruck

Prof. Dr. Bruno Binggeli, Astronom, Departement Physik, Universität Basel

Tanz der Gestirne – Leben im Einklang mit dem Kosmos

Zum guten Leben gehört der Blick nach oben, das Bewusstsein für kosmische Zusammenhänge. Der gestirnte Himmel verleiht unserem Leben Rhythmus und Ordnung; wenn wir es zulassen, auch Tiefgang, Gelassenheit, Demut. Sich nach den Gestirnen zu richten, dem Leben kosmische Orientierung und Bedeutung zu geben, entspricht einem menschlichen Urbedürfnis. Das bezeugt lokal das «Belchendreieck» unserer keltischen Vorfahren. Längst ist unser Leben und Denken weitgehend vom Gang der Gestirne entkoppelt, während wir gleichzeitig immer mehr über das unfassbar grosse Universum und seine exotischen Objekte  wissen. Unsere kosmische Befindlichkeit schwankt zwischen Verlorenheit und Faszination. Die unmittelbare Anschauung des gestirnten Himmels und seiner Schönheit bleibt ein unverzichtbares Gut.
Eintritt frei, Kollekte

 

FREITAG, 30. MAI, 15 Uhr
Ökozentrum, Schwengiweg 12, Langenbruck

Ökozentrum – Führung visionär und praxisnah?
Sie sehen und erleben was hinter den Türen läuft

Wir wollen eine zukunftsfähige, ressourcenneutrale Gesellschaft. Durch technologische Innovation und Förderung der gesellschaftlichen Handlungskompetenz tragen wir zum Aufbau einer nachhaltigen Gesellschaft bei.? Wir forschen, entwickeln und bilden in den Bereichen Energie und Ressourcen, führen Aufträge von Wirtschaft und Gesellschaft aus oder initiieren eigene Projekte. Dabei denken wir ganzheitlich und unabhängig, bleiben inhaltlich konsistent und garantieren durch unsere langjährige Erfahrung eine praxis- und zielorientierte Umsetzung. Das Ökozentrum ist eine private, nicht gewinnorientierte Organisation. Im technologischen und gesellschaftlichen Kontext sind wir Vordenkende, Impulsgeber und umsetzungsorientierte Partner auf dem Weg in eine für kommende Generationen lebenswerte Zukunft.


FREITAG, 30. MAI, 17.30 Uhr
Revue Thommen, Langenbruck

Dr. Antonietta Di Giulio, Programm Mensch Gesellschaft Umwelt, Universität Basel

Was wäre wenn...? Gutes Leben als gesellschaftliches Ziel ernst nehmen

Die Schweiz hat Nachhaltigkeit als ein Staatsziel definiert. Nachhaltigkeit ist eine Idee, die im Kern besagt, es sei allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Was würde es denn bedeuten, ein gutes Leben als gesellschaftliches Ziel ernst zu nehmen? Darf das gute Leben überhaupt ein Staatsziel sein oder beschneiden wir dadurch die individuelle Freiheit des Einzelnen zu sehr? Der Vortrag wird sich mit solchen Fragen auseinandersetzen. Unser Konsumhandeln ist sehr unmittelbar mit unseren Vorstellungen eines guten Lebens verbunden. Konsum ist deshalb ein gutes Beispiel, um zu überlegen, wie eine Gesellschaft funktionieren könnte, die sich ein gutes Leben für alle als Ziel setzt.
Eintritt frei, Kollekte


FREITAG, 30. MAI, 20 Uhr
Ev.-ref. Kirche, Kirchgasse 4, Langenbruck

Barock-Konzert
mit: Kristine Jaunalksne, Sopran; Bernhard Schafferer, Altus;
Ralph Stelzenmüller, Cembalo

Eintritt frei, Kollekte

 

FREITAG, 30. MAI, 22 Uhr (Ausweichdatum, bei bewölktem Himmel: Samstag, 31. Mai, 22 Uhr)
Treffpunkt: im Dorf bei der Postautostation «Post», Langenbruck

Beobachtung des Sternenhimmels mit Prof. Dr. Bruno Binggeli
Eintritt frei, Kollekte

 


 

SAMSTAG, 31. MAI, 11.30 Uhr
ehemalige Uhrenfabrik Revue Thommen, Langenbruck

Prof. Dr. Walter Salzburger, Zoologisches Institut, Universität Basel

Bringt die Evolution immer nur Gutes hervor?

Seit Charles Darwin wissen wir, dass die unglaubliche Vielfalt der Lebewesen auf unserem Planeten ein Produkt der Evolution ist. Natürliche Selektion hat zu den erstaunlichsten Anpassungen und "evolutionären Erfindungen" geführt. Dieser Prozess ist weiters dafür verantwortlich, dass die allermeisten der je auf der Erde existierenden Arten bereits wieder ausgestorben und von besser angepasste Formen verdrängt worden sind. Aber ist das nun so zu verstehen, dass die Evolution immer nur Gutes hervorbringt?
Eintritt frei, Kollekte


SAMSTAG, 31. MAI, 14 Uhr
Hofgut Spittel, Langenbruck (Bushaltestelle «Spittel», unmittelbar neben dem Hofgut Spittel)

Gute Überlebenstechniken für Draussen
Workshop für Kinder ab 9 Jahren

Wie machst du Feuer ohne Feuerzeug und Zündhölzer?
Wie hat Ötzi Feuer gemacht?
Wie schlägst du Funken mit dem Feuerstahl?
Du schnitzt einen praktischen Gegenstand, z.B ein Werkzeug, Zauberstab...

Kursinhalt: Feuer entfachen wie in früheren Zeiten, mit Messer und Dolch richtig umgehen
Dauer: 3 Stunden
Mitbringen: Scharfes Sackmesser oder Dolch, alte Kleider, Sitzunterlage
Kosten: Fr. 20 pro Kind
Leitung: Judith Heckendorn (Survival-Spezialistin) und Claudia Schmid (Primarlehrerin)
Teilnehmerzahl begrenzt: max. 24 Kinder (Eltern willkommen)
Anmeldung via servus@flyingscience.ch

 

SAMSTAG, 31. MAI, 17.30 Uhr
Hofgut Spittel, Langenbruck (Bushaltestelle «Spittel», unmittelbar neben dem Hofgut Spittel)

Dr. Patricia Purtschert, Philosophin, ETH Zürich
Das gute Leben – ein schlechter Trick? Feministische Gedanken zum Thema

Viele Theorien des guten Lebens denken darüber nach, wie ein solches beschrieben und möglich gemacht werden kann. Die feministische Forschung tritt anders an das Thema heran: Sie fragt, wie gängige Vorstellungen vom guten Leben dazu verwendet werden, Ungleichheitsverhältnisse zwischen Männern und Frauen zu kaschieren und legitimieren. Dies geschieht beispielsweise, indem Frauen beigebracht wird, sie müssten sich in erster Linie sozial und in der Familie verwirklichen, während Männern gesagt wird, ein gutes Leben sei ohne beruflichen Erfolg undenkbar. Trotz – oder gerade wegen – dieses skeptischen Blicks blitzen Vorstellungen eines guten Lebens am Horizont feministischen Denkens auf. Im Referat wird gefragt, wie über diesen ersten Schritt der Kritik hinaus feministische Visionen des guten Lebens denkbar werden, die unweigerlich Emanzipation, Transformation und Revolution beinhalten.
Eintritt frei, Kollekte

 

SAMSTAG, 31. MAI, 18.30 Uhr
Hofgut Spittel, Langenbruck (Bushaltestelle «Spittel», unmittelbar neben dem Hofgut Spittel)

Alphornklänge mit Musikern des Sinfonieorchesters Basel
Eintritt frei, Kollekte
 
 
SAMSTAG, 31. MAI, 22 Uhr
Revue Thommen, Langenbruck

Dr. Hansmartin Siegrist, Institut für Medienwissenschaften der Universität Basel

Der Suspense der Leib-Speisen von Alfred Hitchcock

«Ein Spielfilm ist nicht ein Stück Leben, sondern ein leichtes Stück Kuchen.» Alfred Hitchcocks Bonmots schwelgen in Küchenmetaphern. In allen seinen Filmen wird Suspense auch als Gericht serviert, und Sex kommt als Essen daher. Der Sohn eines Cockney-Gemüsehändlers verkörperte die helle wie die dunkle Seite seines Genies in der Doppelrolle eines jovialen Gourmets wie im fetten Markenzeichen eines unersättlichen Gourmands. Die Affekt-Dramaturgie von Hitchcocks Plots entspricht jener eines Fünfgangmenus. Essen in seiner Zubereitung, seinem charakteristischen Verzehr, seinen Ritualen und Symbolen wurde selber zum «Stoff, aus dem Filmträume sind», ja sogar zum Hauptdarsteller von Frenzy. Hitchcock bemerkte zu, diesem rabenschwarzen Alterswerk: «Es ist dies eine Anthologie des Essens zwischen frisch glänzendem Gemüse und den Abwässerkanälen.»
Eintritt frei, Kollekte
 


 

SONNTAG, 1. JUNI, 11.30 Uhr
Revue Thommen, Langenbruck

Dr. Heidrun Moschitz, Departement für Sozioökonomie, Forschungsinstitut für biologischen Landbau

Wie ernähren wir uns? Was heisst lokal? Wer bestimmt, was wir essen und kaufen?

Die zurzeit vorherrschende moderne Ernährungswirtschaft basiert auf einer agroindustriellen Produktion und bringt zunehmend negative Nebeneffekte mit sich. Auf der einen Seite erhöht sich der Kostendruck auf Landwirtinnen und Landwirte, auf der anderen Seite nehmen ökologische Beeinträchtigung durch Transport, Biodiversitätsverlust, und Nährstoffeinträge zu. Die sinnliche Qualität von Lebensmitteln und ihre Diversität nehmen ab, während das Misstrauen der Konsumenten und ernährungsbedingte gesundheitliche Probleme zunehmen.
Eine Antwort auf diese Herausforderungen ist die (Wieder-)Einbettung des Ernährungssystems in den regionalen Kontext, und damit eine Verringerung der Distanz zwischen Produktion und Konsum, die Schaffung von regionalen Nährstoff-Kreisläufen, sowie die Verflechtung von wirtschaftlichen und nicht-wirtschaftlichen Tätigkeiten einer Region zur Schaffung von Synergien. Stadtregionen erscheinen als prädestiniert, eine Rolle für die nachhaltige Entwicklung des Ernährungssystems zu spielen; in der Schweiz lebt 75% der Bevölkerung in Städten. Wie ernährt sich eine solche Stadt? Was bedeutet da regional und lokal? Der Vortrag zeigt auf, was verschiedene Städte in Europe bereits unternommen haben, um ihr Ernährungssystem zu gestalten, und welche Fragen sich dabei ergeben.
Eintritt frei, Kollekte

 

SONNTAG, 1. JUNI, 14 Uhr
Dorfführung mit Walter Wenger
anschliessend Abschluss-Apero in der Revue Thommen, Langenbruck
Treffpunkt: im Dorf bei der Postautostation «Post», Langenbruck
Kollekte




Das Projekt wird ermöglicht durch die Stiftung Mercator Schweiz.
Medienpartner: bz Basellandschaftliche Zeitung 

Örtliche Partner:
Gemeinde Langenbruck
Ökzentrum Langenbruck
Hotel Erica
Gast und Hof Spittel

Ev.-ref. Kirche, Langenbruck



 

Flying Science bedankt sich herzlich bei:

Olivia Schaub, Stiftung Mercator Schweiz; Hector Herzig, Christian Burkhardt, Walter Wenger,
Gemeinde Langenbruck; Familie Müller, Hotel Erica, Langenbruck; Familie Portmann, Gasthof Spittel Langenbruck; Torsten Amling, Ev.-ref. Kirche, Langenbruck; Christoph Seiberth, Markus Fritschi, Ökozentrum Langenbruck; Felix Henschen, Cava Hispania, Basel; Diane Eaton, Matthias Held, Tina Lendi, Aksel Pedersen, Bernhard Schafferer, Domenico Sposato

 


 

«Das Leben ist niemals so schlecht oder gut wie man glaubt.»
William Somerset Maugham